Metafiktion – Tod durch Erzählen

Zur Erzählinstanz und Erzählerfigur in Peter Stamms Agnes

Peter Stamms Roman Agnes (1998) beschreibt die Liebesbeziehung zwischen den Figuren Agnes und einem namenlosen Ich-Erzähler, aus dessen Perspektive die Beziehung erzählt wird.[1] Der Roman beginnt mit einer Vorausschau auf das Ende, was gleichzeitig den Rückblick auf die bereits vergangene Partnerschaft der Figuren darstellt:

Agnes ist tot. Eine Geschichte hat sie getötet. Nichts ist mir von ihr geblieben als diese Geschichte. (A, S. 9)

Der Erzähler bezieht sich mit dem Part diese[r] Geschichte auf eine metadiegetische Geschichte innerhalb des Romans. Dabei wird bereits die mehrfache Verschachtelungsstruktur des Romans deutlich: Der Erzähler erzählt rückwirkend die Geschichte der beiden Figuren, dessen Hauptbestandteil wiederum eine neu geschriebene Geschichte ist. Diese Geschichte lässt sich letztlich mit dem Roman Agnes selbst gleichsetzen und verkörpert die narrative Strategie der Metafiktion. Der Roman nimmt Bezug zu sich selbst.[2] Durch vermehrtes Auftreten von Metalepsen – also narrativen Sprüngen zwischen den Ebenen des Erzählers (discours) und dem Inhalt (story) – eröffnet sich eine komplexe und ineinander übergreifende Erzählstruktur verschiedener Perspektiven. Mit Genette gesprochen befindet sich der Leser zunächst in einer intradiegetischen Erzählung über die besagte Liebesbeziehung, dessen Hauptelement die neu geschriebene metadiegetische Geschichte darstellt.[3] „Metafiktion – Tod durch Erzählen“ weiterlesen

Expressionismus ist nicht nur Kunst!

Robert Müllers Tropen als Sinnbild des revolutionären Umschwungs um 1900

 „[…] unsere Gedanken lagen offen wie geschlitzte Därme da.“[1]

Das Zitat aus Robert Müllers Tropen lässt Parallelen zur grotesken Darstellungsform des Schrift- und Weltbilds im frühen 20. Jahrhundert erkennen. Der im Jahr 1915 verfasste Roman bewegt sich in künstlerischer (teils morbider) und philosophischer Weise im Kontext des Kolonialismus. Daran wird das diesbezüglich gesellschaftliche Interesse damaliger Zeit deutlich. Anhand des Entstehungszeitraums lässt sich der Schnittpunkt zur literarischen Strömung des Expressionismus festmachen. Mit Bezug zum zeitgenössischen, wissenschaftlichen Interesse birgt das Werk sowohl literarisch-expressionistische Merkmale als auch gesellschaftliche Phänomene. Die werkeigene Ähnlichkeit zum Forschungsbericht schlägt sich bereits im Vorwort nieder. Das Vorwort ist ähnlich eines Zeitungsartikels aufgebaut und bietet einen Überblick über das exotische und von Fremdheit dominierte Setting. Darunter fällt beispielsweise die dokumentarische Berichterstattung über ferne Indianeraufstände. Der Inhalt des Romans eröffnet sich als eine Reise durch den unerforschten Urwald und in die Erfahrungs- und Gedankenwelt des Erzählers (siehe: Gedanken lagen offen). Er liefert so Einblicke in das vom Exotismus bestimmte Weltbild. Während die moderne Selbsterfahrung dabei oft als Fremdheitserfahrung gilt, funktioniert das Exotische als eine Art Brechungselement und bedingt den moderne-typischen Verfremdungseffekt.[2] „Expressionismus ist nicht nur Kunst!“ weiterlesen

Von Pixibuch bis Jugendroman

Zur Entwicklung der Bild- und Textkorrespondenz der Conni-Buchreihe

Der Buchmarkt der Kinder- und Jugendliteratur bietet viele Bücher, die für unterschiedliche Altersklassen geeignet sind. So gibt es zum Beispiel Bücher für Kleinkinder, Schulkinder, bis hin zu Jugendromanen und Erwachsenenbücher. Dieser Beitrag bezieht sich auf eine Buchreihe, die alle Stationen von Kleinkind- bis Jugendalter abdeckt. Angesprochen ist die Buchreihe Conni. Begonnen im Jahr 1992 mit Pixibüchern und weiterlaufend bis jetzt mit aktuellen Jugendromanen sprechen die Connibücher verschiedene Stationen im Leben des Kindes mit unterschiedlichem Altersbezug an.[1] In den Büchern werden vom Kindergartenkind bis zum 15-jährigen Teenager verschiedene Altersstufen der Protagonistin durchlaufen, sodass ein nachvollziehbarer, nahezu realistischer Alterungsprozess vorliegt. Mit der älter werdenden Conni steigt auch das Alter der Leseempfehlung an – die Bücher wenden sich mit ihren episodischen Geschichten an Kinder und Jugendliche, die einem jeweils ähnlichen Alter der Protagonistin entsprechen. „Von Pixibuch bis Jugendroman“ weiterlesen