Expressionismus ist nicht nur Kunst!

Robert Müllers Tropen als Sinnbild des revolutionären Umschwungs um 1900

 „[…] unsere Gedanken lagen offen wie geschlitzte Därme da.“[1]

Das Zitat aus Robert Müllers Tropen lässt Parallelen zur grotesken Darstellungsform des Schrift- und Weltbilds im frühen 20. Jahrhundert erkennen. Der im Jahr 1915 verfasste Roman bewegt sich in künstlerischer (teils morbider) und philosophischer Weise im Kontext des Kolonialismus. Daran wird das diesbezüglich gesellschaftliche Interesse damaliger Zeit deutlich. Anhand des Entstehungszeitraums lässt sich der Schnittpunkt zur literarischen Strömung des Expressionismus festmachen. Mit Bezug zum zeitgenössischen, wissenschaftlichen Interesse birgt das Werk sowohl literarisch-expressionistische Merkmale als auch gesellschaftliche Phänomene. Die werkeigene Ähnlichkeit zum Forschungsbericht schlägt sich bereits im Vorwort nieder. Das Vorwort ist ähnlich eines Zeitungsartikels aufgebaut und bietet einen Überblick über das exotische und von Fremdheit dominierte Setting. Darunter fällt beispielsweise die dokumentarische Berichterstattung über ferne Indianeraufstände. Der Inhalt des Romans eröffnet sich als eine Reise durch den unerforschten Urwald und in die Erfahrungs- und Gedankenwelt des Erzählers (siehe: Gedanken lagen offen). Er liefert so Einblicke in das vom Exotismus bestimmte Weltbild. Während die moderne Selbsterfahrung dabei oft als Fremdheitserfahrung gilt, funktioniert das Exotische als eine Art Brechungselement und bedingt den moderne-typischen Verfremdungseffekt.[2] „Expressionismus ist nicht nur Kunst!“ weiterlesen

Moderne im Deutschunterricht

Das Kapitel zur Moderne ist langweilig? Früher sahen die Schwerpunkte noch anders aus – 2 Schulbücher im Vergleich.

Klett und Cornelsen

Der Deutschunterricht der Oberstufe setzt einen Schwerpunkt auf den Literaturunterricht.[1] Dabei können sich die Vorgehensweisen der Wissensvermittlung unterscheiden. In dieser Arbeit sollen zwei Deutschbücher unterschiedlicher Jahrgänge in Hinsicht auf die literaturdidaktische Vermittlung von Literaturkenntnissen untersucht werden. Gegenstände sind das ältere Exemplar Lesen, Darstellen, Begreifen aus dem Jahr 1990 (Cornelsen)[2] und das neuere Schulbuch deutsch.kompetent der Oberstufe Niedersachsen des Jahres 2010 (Klett).[3] Um das Thema nicht zu weitläufig zu gestalten und konkretisieren zu können, fällt die Betrachtung auf ein ausgewähltes Themengebiet. Besondere Beachtung bekommen die Kapitel des Zeitalters der Moderne beziehungsweise des Epochenumbruchs um 1900. Das Ziel ist zu erörtern, wie sich die Epochendarstellung in den beiden Lehrbüchern äußert und wie sich die beiden Darstellungen voneinander differenzieren. „Moderne im Deutschunterricht“ weiterlesen

Machtpositionen bei Stefan Zweig

Zur Darstellung der Machtverhältnisse in der Phantastischen Nacht

„[…] alles, was ich tue und rede, ist unbewußt von ihm
bestimmt […]“[1]

Stefan Zweigs Novelle Phantastische Nacht aus der Klassischen Moderne beruht auf einem komplexen Machtgefüge. Der Protagonist Baron Friedrich Michael von R. wird von einem ekstatischen Zustand befallen, der eine Umkehr seines bisherigen Lebens und Handelns bewirkt. Er ist in dieser Nacht keine selbstbestimmende Figur mehr, sondern agiert geleitet von verschiedenen Faktoren. Dieser Beitrag lenkt den Blick in die Richtung des Weiblichkeits- und Rollenkonzeptes der verschiedenen Figuren. Die Darstellungen der Weiblichkeitstypen sollen hinsichtlich ihrer Funktion und Rollen für das Werk analysiert werden. Es wird gezeigt, ob und inwieweit das Konzept der Geschlechter – insbesondere das der Weiblichkeit – in negativer sowie in positiver Weise zum Machtverhältnis beiträgt. „Machtpositionen bei Stefan Zweig“ weiterlesen