Realistische Phantastik, geht das?

Massensterben in wunderbar-grotesker Ästhetik bei Jeremias Gotthelf

Jeremias Gotthelfs Novelle Die schwarze Spinne ist mit dem Entstehungsjahr um 1842 im Zeitalter des Realismus zu verorten.[1] Die Novelle veranschaulicht in Form der zweifachen Rahmenerzählung christliche und moralische Werte des Verhaltens. Das hat dem Werk rückwirkend vermehrten Ruhm eingebracht.[2] Die Handlung des äußeren Rahmens ist an einer zeitgenössischen Taufsituation im familiären Raum orientiert und kann somit im christlich-religiösen Kontext des 19. Jahrhunderts angesiedelt werden. Trotzdem funktioniert der Inhalt nicht gänzlich durch eine rein realistische Handlungsebene, sondern korreliert zusätzlich mit einer in der Realität unmöglichen Ereignissstruktur. Dies wird besonders in der Rahmen-/Binnenverschachtelung des Textes erkenntlich. Anhand zweier innerdiegetisch von der Figur des Großvaters erzählten Binnengeschichten wird der moralische Akt des Glaubens und der Ehrfurcht vor Gott auf groteske und irrationale Weise veranschaulicht. Die Novelle bedient sich dabei einer morbiden Ästhetik, die auf unmenschlichen und diabolischen Handlungselementen basiert. „Realistische Phantastik, geht das?“ weiterlesen