PS: Die literarästhetische Großstadt Teil III (Paris)

12.12.2018: Divergente Tendenzen des urbanen Blicks (Georg Heym)

Mit einem Gemälde von Edouard Léon Cortès: Place St. Michel, Notre Dame, 1949. Nachdem das Seminar in der letzten Woche leider ausfallen musste, beginnen wir heute mit einem neuen Abschnitt. Wir verlassen den Berliner Stadtraum und schwenken rüber nach Paris. Hierfür betrachten wir zwei Gedichte von Georg Heym. Zunächst untersuchen wir das bekannte und bereits häufig untersuchte Gedicht Der Gott der Stadt (1910). Auch wenn es motivisch eine starke Nähe zu den Berliner Werken öffnet, wird keine konkrete Stadt benannt. Obwohl der Titel die Vermutung nahelegt, eine bestimmte Stadt zu behandeln, wird der sogenannte „Gott“ als herrschende Instanz über „[d]ie großen Städte“ beschrieben. „PS: Die literarästhetische Großstadt Teil III (Paris)“ weiterlesen

PS: Die literarästhetische Großstadt Teil II (Berlin)

14.11.2018: Der Berliner Stadtraum zwischen Natur und Urbanität (Paul Boldt)

In der heutigen Sitzung beschäftigen wir uns mit zwei Gedichten des expressionistischen Dichters Paul Boldt. Ab 1912 veröffentlichte Paul Boldt seine Gedichte in der literarisch-politischen Zeitschrift „Die Aktion“ und erlangte damit schnellen Erfolg. Heute geht der Schriftsteller in der Forschung weitgehend unter und wird eher weniger behandelt. Das erste Gedicht Berliner Abend entstammt seiner einzigen zu Lebzeiten veröffentlichten Gedichtsammlung Junge Pferde! Junge Pferde! aus dem Jahr 1914. Das zweite Gedicht Auf der Terrasse des Café Josty (1912) verweist auf einen zu seiner Zeit berühmten Künstler- und Literatentreffpunkt am Potsdamer Platz. Wir beginnen mit ein paar Hintergrundinformationen. „PS: Die literarästhetische Großstadt Teil II (Berlin)“ weiterlesen

PS: Die literarästhetische Großstadt zwischen 1900 und 1930: Teil I

Übersicht zum Proseminar im WS 2018/2019 (Universität Bayreuth)

Als kulturelle Metropole ist die Großstadt ein beliebter Handlungsschauplatz der Literatur. Gemeinsam werden wir uns verschiedene Formen der literarästhetischen Großstadtdarstellung zwischen 1900 und 1930 ansehen und miteinander in Bezug setzen. Dabei blicken wir nicht nur auf die bekannten Vertreter der Großstadtliteratur, sondern auch auf weniger präsente Texte. Behandelt werden unter anderem Gedichte von Georg Heym und Alfred Wolfenstein sowie Autoren, die in der Forschung erst deutlich nach ihrer Schaffenszeit wiederentdeckt wurden. Ziel ist es, den urbanen Raum anhand intensiver Textarbeit in seinen unterschiedlichen Facetten fassbar zu machen, literaturgeschichtlich zu kontextualisieren und über die Grenzen des Kanons hinaus zu erweitern. „PS: Die literarästhetische Großstadt zwischen 1900 und 1930: Teil I“ weiterlesen

Expressionismus ist nicht nur Kunst!

Robert Müllers Tropen als Sinnbild des revolutionären Umschwungs um 1900

 „[…] unsere Gedanken lagen offen wie geschlitzte Därme da.“[1]

Das Zitat aus Robert Müllers Tropen lässt Parallelen zur grotesken Darstellungsform des Schrift- und Weltbilds im frühen 20. Jahrhundert erkennen. Der im Jahr 1915 verfasste Roman bewegt sich in künstlerischer (teils morbider) und philosophischer Weise im Kontext des Kolonialismus. Daran wird das diesbezüglich gesellschaftliche Interesse damaliger Zeit deutlich. Anhand des Entstehungszeitraums lässt sich der Schnittpunkt zur literarischen Strömung des Expressionismus festmachen. Mit Bezug zum zeitgenössischen, wissenschaftlichen Interesse birgt das Werk sowohl literarisch-expressionistische Merkmale als auch gesellschaftliche Phänomene. Die werkeigene Ähnlichkeit zum Forschungsbericht schlägt sich bereits im Vorwort nieder. Das Vorwort ist ähnlich eines Zeitungsartikels aufgebaut und bietet einen Überblick über das exotische und von Fremdheit dominierte Setting. Darunter fällt beispielsweise die dokumentarische Berichterstattung über ferne Indianeraufstände. Der Inhalt des Romans eröffnet sich als eine Reise durch den unerforschten Urwald und in die Erfahrungs- und Gedankenwelt des Erzählers (siehe: Gedanken lagen offen). Er liefert so Einblicke in das vom Exotismus bestimmte Weltbild. Während die moderne Selbsterfahrung dabei oft als Fremdheitserfahrung gilt, funktioniert das Exotische als eine Art Brechungselement und bedingt den moderne-typischen Verfremdungseffekt.[2] „Expressionismus ist nicht nur Kunst!“ weiterlesen

Moderne im Deutschunterricht

Das Kapitel zur Moderne ist langweilig? Früher sahen die Schwerpunkte noch anders aus – 2 Schulbücher im Vergleich.

Klett und Cornelsen

Der Deutschunterricht der Oberstufe setzt einen Schwerpunkt auf den Literaturunterricht.[1] Dabei können sich die Vorgehensweisen der Wissensvermittlung unterscheiden. In dieser Arbeit sollen zwei Deutschbücher unterschiedlicher Jahrgänge in Hinsicht auf die literaturdidaktische Vermittlung von Literaturkenntnissen untersucht werden. Gegenstände sind das ältere Exemplar Lesen, Darstellen, Begreifen aus dem Jahr 1990 (Cornelsen)[2] und das neuere Schulbuch deutsch.kompetent der Oberstufe Niedersachsen des Jahres 2010 (Klett).[3] Um das Thema nicht zu weitläufig zu gestalten und konkretisieren zu können, fällt die Betrachtung auf ein ausgewähltes Themengebiet. Besondere Beachtung bekommen die Kapitel des Zeitalters der Moderne beziehungsweise des Epochenumbruchs um 1900. Das Ziel ist zu erörtern, wie sich die Epochendarstellung in den beiden Lehrbüchern äußert und wie sich die beiden Darstellungen voneinander differenzieren. „Moderne im Deutschunterricht“ weiterlesen