Neuer Artikel: Biologische Wahrnehmungsräume (Germanica)

Abstract: Biologische Wahrnehmungsräume – Zur Vegetation in der Sprache der Gegenwartslyrik

Das Gedicht nachts leuchten die schiffe aus dem gleichnamigen Gedichtband Nico Bleutges betont eine deutliche Kohärenz zwischen lyrischer Sprache und biologischen Mustern. Die enge Verknüpfung zum strukturellen Bereich der Pflanzenwelt öffnet erweiterte Perspektiven auf die Naturmetaphorik der Gegenwartslyrik. Wortverbindungen und Begriffsbeziehungen präsentieren sich als biologisch-organische Konstellation und bieten Parallelen zu Prozessen der pflanzlichen Vegetation und dem Pflanzenwachstum. Zusätzlich operiert das Gedicht mit dem Gedanken des naturphilosophischen Vitalismus. Der Grundton des Vegetativen spiegelt sich in der Struktur der Sprache wider. Er bestimmt nicht nur die Basis des Inhalts, sondern ist ebenso auf der formalen Ebene festzustellen. Mit Blick auf die dominant vegetative Metaphorik und den biologisch bestimmten Wahrnehmungsraum untersucht der Artikel den Zusammenhang organischer und sprachlicher Konstruktionen, den eine außergewöhnlich enge Verknüpfung von Dichtkunst, Sprachphilosophie und pflanzlicher Vegetation als Teilgebiet der Mikrobiologie auszeichnet. „Neuer Artikel: Biologische Wahrnehmungsräume (Germanica)“ weiterlesen

Vortrag: Sprache – Macht – Rassismus (Cluj-Napoca, Rumänien)

Zur narrativen Vermittlung kultureller Ausgrenzung in der Gegenwartsliteratur: Fatma Ayedemir

Fatma Aydemir behandelt in ihrem Roman Ellbogen (2017) Themen, die aktueller denn je sind: Migration und Postmigration. Im Rahmen der Tagung “dominanz.macht.sprache” sollen die rassistisch geprägten Muster kultureller Ausgrenzung mit der literarischen Sprache in Verbindung gebracht werden. Die Veranstaltung findet vom 04.–05. April 2019 in der Österreich-Bibliothek Cluj-Napoca statt. „Vortrag: Sprache – Macht – Rassismus (Cluj-Napoca, Rumänien)“ weiterlesen

Protest und Kulturkritik (Universität Koblenz-Landau)

Kapitalismus und Katastrophe: Kulturkritik im literarischen Werk Jonas Lüschers.

Krisensituationen finanziellen Ursprungs sind weder seltenes noch neues Thema. Ebenso tauchen sie thematisch in literarischen Werken auf. Einem dieser Werke wird sich mein Vortrag im Rahmen des Forschungsateliers “Protest und Kulturkritik – Differenzen, Übergänge, Schnittstellen” widmen.  Die Veranstaltung findet vom 22. bis zum 26. Mai 2019 an der Universität Koblenz-Landau statt. Vorab möchte ich einen kleinen Einblick in das anstehende Projekt und den Untersuchungsgegenstand geben. „Protest und Kulturkritik (Universität Koblenz-Landau)“ weiterlesen

Phantastische Sozialkritik

Ein Prozess der (Re-)Sozialisation: Marlen Haushofers Die Wand

Marlen Haushofers 1963 erschienener Roman stellt eine Art Tagebuchbericht dar.[1] Im Fokus steht eine namenlose Ich-Erzählerin, die ihr Leben schriftlich dokumentiert. Es handelt sich dabei um den Bericht über eine neu eingetretene Lebenssituation, die nicht dem Alltag entspricht. Der Schauplatz der Diegese findet sich dementsprechend abseits der normalen Realität. Der Wandel von vorheriger zu neuer Situation geschieht mit plötzlichem Auftauchen einer unsichtbaren Wand, die die Protagonistin von der realen Welt abgrenzt. Ihr Auftauchen wird im Fortlauf des Werks weder erklärt noch begründet.  Der Einschnitt der Wand markiert dabei das Aufspalten der diegetischen Welt in zwei ambivalent zueinander stehende Raumsituationen – doch auch wenn die Distanz zum realen Leben stetig zunimmt, wirkt das neue Leben fortlaufend wirklicher. „Phantastische Sozialkritik“ weiterlesen

Metafiktion – Tod durch Erzählen

Zur Erzählinstanz und Erzählerfigur in Peter Stamms Agnes

Peter Stamms Roman Agnes (1998) beschreibt die Liebesbeziehung zwischen den Figuren Agnes und einem namenlosen Ich-Erzähler, aus dessen Perspektive die Beziehung erzählt wird.[1] Der Roman beginnt mit einer Vorausschau auf das Ende, was gleichzeitig den Rückblick auf die bereits vergangene Partnerschaft der Figuren darstellt:

Agnes ist tot. Eine Geschichte hat sie getötet. Nichts ist mir von ihr geblieben als diese Geschichte. (A, S. 9)

Der Erzähler bezieht sich mit dem Part diese[r] Geschichte auf eine metadiegetische Geschichte innerhalb des Romans. Dabei wird bereits die mehrfache Verschachtelungsstruktur des Romans deutlich: Der Erzähler erzählt rückwirkend die Geschichte der beiden Figuren, dessen Hauptbestandteil wiederum eine neu geschriebene Geschichte ist. Diese Geschichte lässt sich letztlich mit dem Roman Agnes selbst gleichsetzen und verkörpert die narrative Strategie der Metafiktion. Der Roman nimmt Bezug zu sich selbst.[2] Durch vermehrtes Auftreten von Metalepsen – also narrativen Sprüngen zwischen den Ebenen des Erzählers (discours) und dem Inhalt (story) – eröffnet sich eine komplexe und ineinander übergreifende Erzählstruktur verschiedener Perspektiven. Mit Genette gesprochen befindet sich der Leser zunächst in einer intradiegetischen Erzählung über die besagte Liebesbeziehung, dessen Hauptelement die neu geschriebene metadiegetische Geschichte darstellt.[3] „Metafiktion – Tod durch Erzählen“ weiterlesen