Forschungsbeiträge

Gegen den Verriss: meine Stimme für Takis Würgers »Stella«

Takis Würgers »Stella« – derzeit wohl der umstrittenste Roman im Literaturbetrieb.

Nachdem ich ihn in den letzten Tagen gelesen habe, fühle ich mich dazu verpflichtet, ihn zu verteidigen. Aufgrund der Vielzahl an negativen Kritikern glaube ich, dass ein Großteil der zustimmenden Masse nicht über die folgende Inhaltsangabe hinausgegangen ist:

Friedrich, ein stiller junger Mann, kommt vom Genfer See nach Berlin. In einer Kunstschule trifft er Kristin. Sie nimmt Friedrich mit in die geheimen Jazzclubs. Sie trinkt Kognak mit ihm und gibt ihm seinen ersten Kuss.

Diese Zeilen passen zu einigen Äußerungen der Medien, der eigentliche Roman jedoch kaum. Ich beziehe mich hierbei insbesondere auf unbegründete (hasserfüllte und an Hetze grenzende) Kommentare in einigen Instagram-Posts und Twitter-Threads. Doch nicht nur hier wettert die Kritik. Von der Süddeutschen Zeitung wird der Roman als „Ein Ärgernis, eine Beleidigung, ein Vergehen“ bezeichnet, als „Gräuel im Kinderbuchstil“ auf ZEIT ONLINE. Somit sei er nicht nur politisch inkorrekt, sondern auch noch literarisch schlecht. Wirklich? Ich stimme für: Nein. „Gegen den Verriss: meine Stimme für Takis Würgers »Stella«“ weiterlesen

PS: Die literarästhetische Großstadt Teil III (Paris)

12.12.2018: Divergente Tendenzen des urbanen Blicks (Georg Heym)

Mit einem Gemälde von Edouard Léon Cortès: Place St. Michel, Notre Dame, 1949. Nachdem das Seminar in der letzten Woche leider ausfallen musste, beginnen wir heute mit einem neuen Abschnitt. Wir verlassen den Berliner Stadtraum und schwenken rüber nach Paris. Hierfür betrachten wir zwei Gedichte von Georg Heym. Zunächst untersuchen wir das bekannte und bereits häufig untersuchte Gedicht Der Gott der Stadt (1910). Auch wenn es motivisch eine starke Nähe zu den Berliner Werken öffnet, wird keine konkrete Stadt benannt. Obwohl der Titel die Vermutung nahelegt, eine bestimmte Stadt zu behandeln, wird der sogenannte „Gott“ als herrschende Instanz über „[d]ie großen Städte“ beschrieben. „PS: Die literarästhetische Großstadt Teil III (Paris)“ weiterlesen

PS: Die literarästhetische Großstadt Teil II (Berlin)

14.11.2018: Der Berliner Stadtraum zwischen Natur und Urbanität (Paul Boldt)

In der heutigen Sitzung beschäftigen wir uns mit zwei Gedichten des expressionistischen Dichters Paul Boldt. Ab 1912 veröffentlichte Paul Boldt seine Gedichte in der literarisch-politischen Zeitschrift „Die Aktion“ und erlangte damit schnellen Erfolg. Heute geht der Schriftsteller in der Forschung weitgehend unter und wird eher weniger behandelt. Das erste Gedicht Berliner Abend entstammt seiner einzigen zu Lebzeiten veröffentlichten Gedichtsammlung Junge Pferde! Junge Pferde! aus dem Jahr 1914. Das zweite Gedicht Auf der Terrasse des Café Josty (1912) verweist auf einen zu seiner Zeit berühmten Künstler- und Literatentreffpunkt am Potsdamer Platz. Wir beginnen mit ein paar Hintergrundinformationen. „PS: Die literarästhetische Großstadt Teil II (Berlin)“ weiterlesen

PS: Die literarästhetische Großstadt zwischen 1900 und 1930: Teil I

Übersicht zum Proseminar im WS 2018/2019 (Universität Bayreuth)

Als kulturelle Metropole ist die Großstadt ein beliebter Handlungsschauplatz der Literatur. Gemeinsam werden wir uns verschiedene Formen der literarästhetischen Großstadtdarstellung zwischen 1900 und 1930 ansehen und miteinander in Bezug setzen. Dabei blicken wir nicht nur auf die bekannten Vertreter der Großstadtliteratur, sondern auch auf weniger präsente Texte. Behandelt werden unter anderem Gedichte von Georg Heym und Alfred Wolfenstein sowie Autoren, die in der Forschung erst deutlich nach ihrer Schaffenszeit wiederentdeckt wurden. Ziel ist es, den urbanen Raum anhand intensiver Textarbeit in seinen unterschiedlichen Facetten fassbar zu machen, literaturgeschichtlich zu kontextualisieren und über die Grenzen des Kanons hinaus zu erweitern. „PS: Die literarästhetische Großstadt zwischen 1900 und 1930: Teil I“ weiterlesen

Vortrag: Sprache – Macht – Rassismus (Cluj-Napoca, Rumänien)

Zur narrativen Vermittlung kultureller Ausgrenzung in der Gegenwartsliteratur: Fatma Ayedemir

Fatma Aydemir behandelt in ihrem Roman Ellbogen (2017) Themen, die aktueller denn je sind: Migration und Postmigration. Im Rahmen der Tagung “dominanz.macht.sprache” sollen die rassistisch geprägten Muster kultureller Ausgrenzung mit der literarischen Sprache in Verbindung gebracht werden. Die Veranstaltung findet vom 04.–05. April 2019 in der Österreich-Bibliothek Cluj-Napoca statt. „Vortrag: Sprache – Macht – Rassismus (Cluj-Napoca, Rumänien)“ weiterlesen